Chronik - Musikverein Freisen

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Chronik

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Die Chronik des Musikverein Freisen

Ende des letzten Jahrhunderts, es war die Zeit, in der in unserem Lande die ersten Musikkapellen entstanden sind, haben sich auch in Freisen die ersten Musiker im Zusammenspiel der Instrumente geübt.
So waren es vor allem Nikolaus und Peter Bier, die Enkel von Jakob Bier und Barbara geb. Becker, die sich damals im Kreise ihrer Familie musikalisch betätigten und ihre Kinder für die Musik begeisterten. Peter, Nikolaus, Jakob, Johann, Josef und Maria, alle Kinder von Nikolaus Bier, setzten das musikalische Erbe ihres Vaters in die Tat um.
In der Zeit vor dem 1. Weltkrieg bildeten sich jedoch noch drei weitere Gruppen, die vor allem auf Hochzeiten und bei ähnlichen Anlässen für die musikalische Unterhaltung sorgten. Eine dieser aktiven Gruppen, zu der Josef Schumacher, Josef Schmitt, Jakob Weisgerber, Anton Weisgerber, Stefan Becker und Jakob Mark gehörten, tat sich bei größeren Anlässen mit der oben genannten "Spielmannsfamilie" zusammen, und beide übernahmen gemeinsam die musikalische Umrahmung.

Keine lange Lebensdauer war einer zweiten Gruppe beschieden, bei der Josef, Jakob und Johann Bernhard sowie Jakob Keller, Josef Forve und Adam Scherschel mitwirkten. Eine weitere Musikgemeinschaft wurde durch Stephan Becker gegründet, der mit seinen Söhnen Peter, August, Alois und Wilhelm durch Stadt und Land zog. Mit dem 1. Weltkrieg 1914 war dem Musizieren ein vorläufiges Ende gesetzt.
Nach dem 1. Weltkrieg 1918 entstand in Freisen eine beachtliche Kapelle unter der Leitung von Gipsermeister Robert Bier. So bildete sich mit Richard, Georg und Theodor Bier, Josef Schumacher, Andreas Schumacher, August Bernhard und anderen eine Musikergruppe um Robert Bier, die nur ein Ziel verfolgte: die Gründung eines Musikvereins.

In den 20er Jahren wurde der MV Harmonie Freisen mit 25 aktiven Mitgliedern ins Leben gerufen. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges beendete wieder einmal jegliche musikalische Betätigung in Freisen.
Kurz nach Beendigung des Krieges im Jahre 1945 wurde in Verbindung mit der Kolpingfamilie die Kolpingkapelle gegründet, die bald über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Junge Talente wurden gefördert, so dass in kurzer Zeit ein ausgezeichneter Klangkörper zur Verfügung stand.

1958 übernahm Ernst Becker den Dirigentenstab. Er besuchte zuvor die Musikschule in Bürgel, Thüringen und wurde Organist der Freisener Pfarrkirche. Er leistete vor allem durch die Ausbildung von Jungmusikern und durch seinen unermüdlichen Einsatz als Dirigent einen bedeutenden Beitrag zum Aufstieg der Kapelle und zum Fortbestand der Volksmusik in Freisen. Auf vielen Veranstaltungen in Freisen und Umgebung zeigte die damalige Kolpingkapelle unter seiner Leitung weiterhin ihr großes Können. Man besaß zwar eine starke Kapelle mit 33 aktiven Musikern. Von diesen aber waren nur zehn älter als 30 Jahre und 5 älter als 20. Die restlichen 18 waren Jungmusiker, viele erst wenige Wochen in der Ausbildung.

Die Kapelle war somit personell schlecht strukturiert, was sich zwangsläufig bemerkbar machen musste. Einige Musiker ließen die Kapelle wieder im Stich und die geleistete Aufbauarbeit schien vergebens.

1971 fand im Kolpinghaus ein großes Werbekonzert statt. Herr Amtsvorsteher Scheid erklärte diese Veranstaltung zum Fest der Wiedergeburt der Kolpingkapelle. Die Aktion fand großen Anklang bei der Bevölkerung.
Der Reinerlös war für die Neuanschaffung von Instrumenten bestimmt. Große Beachtung fand auch das Weihnachtskonzert im gleichen Jahr. Im darauf folgenden Jahr 1972 zeigte die Kolpingkapelle bei allen örtlichen und auswärtigen Anlässen wieder schöne Proben ihres Könnens.

Die Kapelle befand sich damals, bedingt durch die erfreulich große Anzahl von Jungmusikern, am Anfang einer neuen Aufbauphase. Gerade in diesem Anfangsstadium war es für den verhältnismäßig

kleinen Musikerstamm von nur zehn Mann nicht leicht, die Kapelle für die Zukunft richtig zu formen. Man wünschte sich größere Unterstützung von außen wie dies in anderen Vereinen durch Inaktive auch der Fall ist und fasste somit Ende 1972 den Entschluss, einen eigenen Verein zu gründen.

Der Musikverein Freisen wurde am 16. Dezember 1972 mit 30 aktiven und 33 inaktiven Mitgliedern gegründet. Als 1. Vorsitzender wurde Arthur Staudt gewählt, die musikalische Leitung übernahm Ernst Becker.
Die Trennung der Kapelle vom Kolpingverein und die Neugründung des Musikvereins war für beide Vereine nicht nur aus finanzieller Sicht ein Vorteil. Sie hatte nämlich zur Folge, dass beide Gruppen mehr Eigeninitiative entwickeln mussten. In den folgenden Jahren hat der Musikverein Freisen eine Vielzahl örtlicher und auswärtiger Vereine bei ihren Veranstaltungen unterstützt, viele davon mehrmals. So wurde jährlich im Schnitt bei ca. 35 Anlässen gespielt, wovon mehr als die Hälfte ortsinterne Veranstaltungen sowohl weltlicher als auch kirchlicher Art waren.

Im Jahr 1974 wurde mit Unterstützung zahlreicher Musik und Gesangsvereine ein großes Sommerfest veranstaltet. Mit Hilfe der vielen inaktiven Mitglieder, deren Zahl inzwischen auf 100 angewachsen war, verlief das Fest sehr erfolgreich, so dass das Bestehen des Musikvereins vorerst gesichert war. Als Arthur Staudt aus gesundheitlichen Gründen das Amt des 1 . Vorsitzenden niederlegen musste, wurde Hans Josef Klein zum Nachfolger gewählt.

Wichtigstes Ziel des Vereins wurde nun die Ausbildung eigener Jungmusiker, um den Fortbestand der Kapelle auf lange Sicht hin zu gewährleisten. Im darauf folgenden Jahr wurde die gesamte Ausbildung neu gestaltet. Durch vereinseigene Ausbilder waren wir in der Lage, für alle Instrumente, die in der Kapelle gespielt wurden, Musikunterricht zu erteilen. Damals konnten wir zeitweise bis zu 20 Kindern in den Ausbildungsstunden die Möglichkeit geben, ein Musikinstrument zu erlernen. Bei der Weihnachtsfeier 1975 traten die Musiker erstmals wieder mit neuen Uniformen auf.
1977 feierte der Musikverein sein 5 jähriges Bestehen mit einem großen Musikfest im Festzelt auf dem Kirmesplatz mit sehr positivem Erfolg.

Durch die erfreulich hohe Anzahl an Kindern und Jugendlichen veranlasst, gründete der Verein 1978 ein Jugendorchester unter der Leitung von Reinhold Ostgen, das zeitweise mit 25 Jungmusikern und mehr besetzt war. Während dieser Zeit erreichte die Zahl der Vereinsmitglieder den Höchststand von 45 aktiven und 240 inaktiven Mitgliedern, der in den folgenden Jahren jedoch wieder etwas zurückging. Nach vier Jahren wurde das Jugendorchester leider aufgrund von Terminüberschneidungen mit der Kapelle, Austritten von Musikern bzw. Jungmusikern und wegen vereinsinternen Differenzen wieder aufgelöst.

1982 trat Hans Josef Klein als 1. Vorsitzender zurück und Albino Mehlig wurde für 2 Jahre gewählt.
Im gleichen Jahr feierte der Musikverein sein 10 jähriges Jubiläum zusammen mit dem Männergesangsverein und dem Karnevalverein Freisen im großen Festzelt auf dem Kirmesplatz. Ernst Becker gab im Herbst nach jahrelanger hervorragender Dirigententätigkeit die Stabführung an Erwin Lauer aus Berglangenbach ab, der nun für die folgenden Jahre die musikalische Leitung innehatte.

1983 wurde Ernst Becker zum Ehrendirigenten und Arthur Staudt zum Ehrenmitglied ernannt.
Ein Jahr später trat Albino Mehlig von seinem Amt als 1.Vorsitzender zurück und Hans Josef Klein wurde wieder gewählt.

Im Jahr 1986 wurde die Jugendarbeit des Musikvereins, durch die Gründung einer finanziell und organisatorisch vom Verein teilweise unabhängigen Jugendgruppe durch Jörg Becker neu strukturiert. Diese Jugendgruppe verwaltete sich unter der Regie von Jugendleiter und Jugendvorstand weitestgehend selbst. Die Aktivitäten der Jungmusiker (Fahrten zur Eishalle, Bastelnachmittage, Wanderungen, Zeltlager, Jugendtreffs, Ausflüge usw.) fanden in den folgenden Jahren sehr großen Anklang, auch bei den älteren Musikern, die bei vielen Veranstaltungen eingeladen wurden.

1988 musste Hans Josef Klein, Mitbegründer des Vereins und ausdauernder Kämpfer für die Musik, sein Amt als 1.Vorsitzender aus persönlichen Gründen niederlegen. Sein Nachfolger wurde der damalige Jugendleiter Jörg Becker, der dieses Amt bis Februar 1992 innehatte und dann ebenfalls aus persönlichen Gründen zurücktrat. Im März 1992 wurde der ehemalige Schriftführer und Jugendleiter Stefan Fox als 1.Vorsitzender gewählt.

Das 20-jährige Jubiläum feierte der Musikverein diesmal im Kolpinghaus Freisen, leider mit sehr schlechten Besucherzahlen und geringem finanziellem Erfolg. Um die laufenden Kosten für Noten, Instrumente, Ausbildung usw. auch in Zukunft tragen zu können, war der Verein gezwungen, zusätzliche Veranstaltungen durchzuführen. In Zusammenarbeit mit dem Männergesangverein, dem Kirchenchor und dem Pfarrgemeinderat veranstalteten wir von 1993 - 1995 jedes Jahr einen Maskenball am Fetten Donnerstag und das bunte Faschingstreiben am Rosenmontag im Kolpinghaus. Nach anfänglich positiver Resonanz konnten diese Veranstaltungen jedoch später nicht mehr in diesem Rahmen durchgeführt werden.

1997 feierte der Musikverein sein 25-jähriges Vereinsjubiläum zusammen mit dem Karnevalverein Freisen wieder mit großem Festzelt auf dem Mutziger Platz. Im gleichen Jahr ließ der Verein erstmals Musikschüler an der Kreismusikschule ausbilden, da zu diesem Zeitpunkt nicht genügend vereinseigene Ausbilder zur Verfügung standen.

Anfang des Jahres 1999 trat unser Dirigent Erwin Lauer als musikalischer Leiter zurück und übergab die Stabführung Uwe Schneider aus Langenbach. Erwin Lauer war 18 Jahre Dirigent des Musikverein Freisen und hat die Kapelle mit seinem vorbildlichen musikalischen Können und Engagement zu dem Klangkörper geformt, den sie bis heute darstellt.
Leider musste Uwe Schneider aus beruflichen Gründen das Dirigentenamt 2 Jahre später im Sommer 2001 wieder niederlegen, so dass der Vorstand schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit auf Dirigentensuche gehen musste, was mitunter keine einfache Aufgabe war.

Im September wurden wir in Otzenhausen fündig und konnten Markus Schwer als neuen Dirigenten verpflichten.

Aus kleinen Anfängen heraus hat sich unser Musikverein stetig weiter entwickelt, hat viele Turbulenzen im internen Bereich als auch im Umfeld des Vereins weggesteckt und ist aus unserem Dorfgeschehen nicht mehr wegzudenken, was die Vielzahl unserer Aktivitäten in Freisen beweist:

- Mitwirkung des Musikvereins bei fast allen kirchlichen und ortsinternen Veranstaltungen
- Traditionelle Durchführung des Weihnachtskonzerts seit 1980
- musikalische Umrahmung von Rosenmontagsumzug, Kirmesstrauß, sowie des traditionellen Kirmesfrühschoppen
- permanente Teilnahme am Weihnachtsmarkt inklusive musikalischer Programmgestaltung
- Mitgestaltung der Dorffeste mit der Vereinsgemeinschaft
- ca. 30 - 40 musikalische Auftritte im Jahr innerhalb und außerhalb der Gemeinde

So wird deutlich, dass kulturelle Tradition und Beständigkeit in der Vereinsarbeit solide Grundlagen für den weiteren Bestand der Musik in Freisen sind.


 
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